Nach unserer Paraguay-Reise sieht man in Deutschland vieles noch kritischer als vorher.
Insbesondere die Überperfektionierung fällt ganz besonders auf. Unsere Landstraße, in deren Nähe wir leben, wird gerade mal wieder saniert. Schlecht war sie nicht, aber durch das verabschiedete Konjunkturpaket der Bundesregierung muss eben Geld sinnlos verschleudert werden. Und da möchte sich keine Gemeinde sagen lassen, sie sei sparsam.
Auf einer Länge von etwa 3 km wird sie neu gemacht. Alter Asphalt runter, neuer drauf. Alle paar hundert Meter eine Baustellenampel, weil der Autofahrer ja viel zu blöd ist, unfallfrei langsam zu fahren. Viele Baustellenabsperrungen und noch mher Verkehrszeichen runden das Bild ab. Zwei Drittel hätte man sich sparen können. Ach nein - eigentlich alles. Denn die Arbeiten wären ja gar nicht nötig...
In der anderen Richtung wird um einen Ort eine neue Umgehungsstraße gebaut. Dort hat man, weil man eine neue Kreuzung bauen muss, als Provisorium die Fahrbahn auf einer Länge von 300 m versetzt. Ausgeführt in der Qualität, die auch die originale Fahrbahn hat.
Ich frage mich, ob das wirklich sein muss. In Paraguay wird ein unbefestigtes Provisorium erstellt, das neben der neu zu bauenden Trasse entlang führt. Man spart viel Geld damit. Nun sagt der eine oder andere, dass das wegen der klimatischen Verhältnisse nicht geht.
Alles Quatsch!
Viele europäischen Länder wie die skandinavischen, Italien, Frankreich, Spanien und diejenigen im ehemaligen Ostblock haben kein Problem mit Erd- oder Schotterstraßen. Nur die Deutschen müssen eben alles perfekt machen und bis in den hintersten Winkel absolut plan und ohne Bodenwellen asphaltieren.
Deutschland muss eben sparen. Koste, was es wolle!
Und wenn man sieht, was in den modernen Autos so alles eingebaut wird, dann wird schnell klar, dass die Straßen perfekt sein müssen. Wie sollen deutsche Autofahrer existieren, die ohne ABS, ASR, Spurassistent, Bremsassistent oder Einparkhilfe auskommen müssen. Das kann doch nur schief gehen, wenn man auch noch autofahren muss wie zu Vaters Zeiten.
Und ein Bremsassistent kommt nicht mit Schotter- oder Erdstraßen klar, weil er viel zu spät reagiert. Der Spurassistent kommt nicht mit Asphaltstraßen klar, die gar keine oder fehlerhafte Fahrbahnmarkierungen haben. In den meisten europäischen Ländern zählen Fahrzeugeigenschaften, die nichts mit denen der deutschen Autos zu tun haben. Wie zum Beispiel Robustheit, Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit.
Ich stelle mir gerade einen 7er BMW oder eine neue Mercedes S-Klasse in Paraguay vor: Wenn das Werkstattintervall für die Inspektion erreicht ist, schaltet das Auto ab und lässt sich nicht mehr neu starten. Ganz sicher für den Fahrer ein lustiger Augenblick - mitten im Chaco oder 500 km von der nächsten Merces-Werkstatt entfernt. Oder ein liegen gebliebener Audi A2, bei dem nur die Audi-Werkstatt die Motorhaube mittels Spezialschlüssel öffnen kann. Vermutlich auch nicht das Auto für Fahrten übers Land. Und alle haben viel Elektronik drin. Die Elektronik, die in subtropischen oder tropischen Breiten innerhalb kürzester Zeit den Geist aufgibt.
Viel Geld könnte in Deutschalnd gespart werden, wenn man mal über den Tellerrand schauen würde und sich von "Dritte-Welt-Ländern" inspirieren ließe. Die können manchmal einiges besser als Deutschland.